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Elektrofahrrad-Umrüstung – Des herkömmlichen Fahrrads neue Teile

Elektrofahrräder sind mittlerweile in der Gesellschaft angekommen. Hierbei noch von einem Trend zu reden ist untertrieben, da E-Bikes schon seit langer Zeit zur Standardproduktpalette der Händler gehören. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) besitzen E-Bikes inzwischen einen Anteil von 43% am Gesamtmarkt der jährlich verkauften Fahrräder[1]. Das statistische Bundesamt gibt an, dass im Jahr 2021 jeder achte Haushalt in Deutschland mindestens ein Elektrofahrrad besaß[2]. Da E-Bikes oft hochwertig sind und der Kauf daher mit hohen Kosten verbunden ist, sind es vor allem besserverdienende Haushalte[3], welche sich ein Elektrofahrrad leisten können. Der Markt scheint sich jedoch auch hier anzupassen. So gibt es inzwischen die Möglichkeit, ein bestehendes Fahrrad mit Motor und Akku auszustatten und kostengünstiger zu einem E-Bike aufzurüsten. Doch wie genau funktioniert das und lohnt sich solch eine Aufrüstung überhaupt?

Was sind eigentlich Umrüstungskits?

Bei der Aufrüstung von herkömmlichen Fahrrädern zu Elektrorädern gibt es verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Angebotspaketen. Diese sogenannten Kits bestehen grundsätzlich aus einem elektrischen Motor, einem Akku, sowie einem Trittsensor. Die Montage dieser Komponenten kann sich jedoch unterschiedlich gestalten. Zumeist muss für die Umrüstung des Fahrrads das Vorder- oder Hinterrad mit einem motorunterstützten Rad ausgetauscht werden. Der Trittsensor wird in die Pedale eingebaut. Zuletzt wird der Akku am Fahrrad befestigt und mit dem Trittsensor sowie Motor verbunden. Allerdings gibt es auch andere Lösungen, wie beispielsweise die der Firma Rubbee, bei der sowohl Motor als auch Akku zusammen auf das Hinterrad gesetzt werden. Durch eine Art Verzahnung des Motors mit den Reifen wird dann der Antrieb elektrisch unterstützt.


Was unterscheidet Umrüstungskits von E-Bikes?

Beim Kauf eines E-Bikes ist für viele Interessierte der Preis ausschlaggebend. Dieser variiert je nach Hersteller, Modell und Motor-Leistung, wobei es mittlerweile günstige Einstiegsmodelle gibt. Ein gutes E-Bike beginnt oft bei 1.500€. Auch bei den verschiedenen Umrüstungskits ist der Preis abhängig von Anbieter und Modell, wobei die Kosten zwischen 500€ und 1000€ – betragen – also deutlich niedriger sind. Der Vorteil des Kits ergibt sich dadurch, dass ein bereits vorhandenes Rad für den Umbau genutzt werden kann. Ein konkreter technischer Vergleich zwischen E-Bike und Fahrrad mit Umrüstungskit ist schwierig zu erstellen, da mittlerweile viele verschiedene Modelle mit unterschiedlicher Leistung zu Verfügung stehen. Grundsätzlich erscheint die Motorunterstützung beider Formen ähnlich zu sein. Sowohl günstige E-Bike-Modelle als auch die Kits bieten Motoren mit 250 Watt an. Aufgerüstete Fahrräder haben in der Regel ein deutlich geringeres Gewicht. Beim Hersteller Swytch wiegt das Umrüstungskit beispielsweise 3 kg. Das höhere Gewicht eines E-Bikes ist in der Regel dem Akku geschuldet, der aber auch eine deutlich größere Reichweite ermöglicht. Während die Hersteller der Kits eine maximale Reichweite von 15 bis 50 km angeben, finden sich bei günstigen Elektrofahrrädern eine Reichweite von 80 km und mehr. Ein kleinerer Akku kann demgegenüber schneller geladen werden und ist durch seine einfache Abnehmbarkeit auch handlicher. Zu beachten ist, dass bei umgerüsteten Fahrrädern das Zusatzgewicht allerdingseinen Einfluss auf Fahrverhalten und Bremsleistung haben kann.


Warum sich eine Aufrüstung lohnt

Mit Blick auf den Kosten-Nutzen Vergleich wirkt ein E-Bike als sinnvollere Anschaffung. Zwar sind gute Elektrofahrräder weiterhin klar teurer, bieten dafür aber mehr Reichweite und inzwischen auch in allen Preissegmenten eine gute Qualität. Zusätzlich benötigt ein Aufrüstungskit ein normales Fahrrad, weshalb dies in Verbindung mit der Aufrüstung finanziell nur noch einen kleinen Unterschied machen dürfte – außer man hat bereits eins. Der Vorteil einer Umrüstung macht daher insbesondere für Fahrradfahrer:innen Sinn, für die die Anschaffung eines zweiten Fahrrads z.B. aus Platz- oder finanzielle Gründen nicht möglich ist. Auch im Sinne des Kreislaufgedankens ist es nachhaltiger, bestehende Materialien zu nutzen und aufzuwerten. Hinzu kommt das geringere Gewicht eines aufgerüsteten Fahrrads, wodurch die Nutzung im Alltag praktikabler wird. In Städten wird zudem das Abstellen erleichtert, da Fahrräder oft im Keller oder im Hof abgestellt werden, wo es ein paar Stufen zu überwinden gilt.


Swytch aus der Praxiserfahrung

Quelle: Gesine Böhringer

Um das Aufrüstungsprinzip herkömmlicher Fahrräder auch in der Praxis nachvollziehen zu können, haben wir bei einer Nutzerin genauer nachgefragt. Die Befragte besaß zum Interviewzeitpunkt seit einem halben Jahr das Swytch Pro Umrüstungskit, mit dem sie ihr Trekkingrad aufgerüstet hat. Auch hat die Befragte bereits Erfahrungen mit E-Bikes gemacht. Das Swytch Pro lässt sich durch das Auswechseln des Vorderrades, – dieses ist in verschiedenen Größen verfügbar –, das Anbringen eines Trittsensors sowie die Befestigung des Akkus am Fahrradlenker installieren. Nach Herstellerangaben kann mit dem Kit eine Reichweite von 50 km mit einer Batterieladung zurückgelegt werden, wobei der 250 Watt Motor auch bei hohen Steigungen und bis zu einer erlaubten Richtgeschwindigkeit von 25 km/h unterstützt.[4] Das Kit von Swytch empfindet die befragte Nutzerin als hochwertig und betont, dass bei einem Preis von ca. 650€ (aufgrund eines Preisnachlasses auf der Website) ein sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis besteht. Der Umbau selbst erwies sich als teils problematisch, da die Maße nicht ganz korrekt angegeben wurden, wodurch mit einer Feile die Gabel leicht bearbeitet werden musste, was insgesamt 3-4 Stunden in Anspruch nahm. Durch Tutorials zum Umbau auf YouTube vom Hersteller und anderer Nutzer:innen konnte die Aufrüstung von einem Laien durchgeführt werden. Die Herstellerangaben des Umrüstungskits wurden von der Befragten bestätigt, wobei die Reichweite von 50 km als nicht allzu hoch eingeschätzt wurde. Für den Weg ins Büro oder für den Einkauf sei es aber vollkommen ausreichend. Im Vergleich zu einem herkömmlichen E-Bike halte das mit Swytch aufgerüstete Fahrrad erstaunlich gut mit. Grundsätzlich ist die Power von Swytch überzeugend und auf dem Niveau eines E-Bikes. Demgegenüber sei das Fahrrad weitaus leichter und wendiger, was gerade in engen Situationen im Stadtverkehr sehr angenehm sei. Das enorme Gewicht eines E-Bikes empfand die Nutzerin in solchen Situationen oft als hemmend. Auch an belebten Orten könne man das Fahrrad mit weniger Sorge vor Diebstahl abstellen. Bei einem E-Bike hatte die Befragte häufig ein mulmigeres Gefühl, wenn das teure E-Bike abgestellt wird. Da der Swytch-Akku leicht abnehmbar sei, könne man das Fahrrad auch ohne elektrische Unterstützung nutzen und muss sich nicht grundsätzlich, sondern kann anlassbezogen zwischen Fahrrad und E-Fahrrad entscheiden. Für die Nutzerin ist das ein großer Vorteil. Nachteilig sieht die Befragte das Zusammenspiel bestehender Komponenten und dem Kit. Sie selbst sagt, dass ihre Bremsen durch das höhere Gewicht und die höhere Geschwindigkeit an Ihre Grenzen kommen und aufgerüstet werden sollten. Qualitativ hochwertige Komponenten scheinen daher wichtig für eine Aufrüstung mit Swytch und empfehlen wir unbedingt. Durch die höhere Krafteinwirkung auf das Fahrrad, müssen die Komponenten höhere Belastungen auffangen. Bei schlechten oder abgenutzten Bauteilen wie Bremsen kann dies schnell gefährlich werden. Die Befragte gab hier jedoch auch an, dass zusätzlich Bremskraftverstärker dazu gekauft werden können. Ergänzend kommt dazu, dass sowohl Motor und Batterie vorne angebracht sind und sich daher die Gewichtverteilung verschiebt, wodurch sich das Fahrverhalten ändern kann. Insgesamt ist die Befragte mit dem Umrüstungskit sehr zufrieden. Durch die abnehmbare Batterie und das grundsätzlich geringe Zusatzgewicht lässt sich das Fahrrad flexibel nutzen. Einerseits fährt die Befragte gerne ihr Fahrrad ohne Unterstützung, in bestimmten Situationen ist der Elektromotor aber trotzdem hilfreich und erweitert dadurch die Nutzungsmöglichkeit.


Spannende Technologie mit hoher Flexibilität

Ob ein E-Bike oder ein Aufrüstungskit besser ist, muss jede:r Nutzer:in für sich entscheiden. Es scheint klar vom jeweiligen Anwendungsfall abzuhängen. Da man beim E-Bike mehr zahlt, bekommt man aus technischer Perspektive auch mehr. Die Aufrüstungskits demgegenüber scheinen ihre Vorteile in anderen Bereichen auszuspielen. Da unserer Praxistest nur mit einem Swytch-Pro stattgefunden hat, lässt sich über andere Marken keine Aussagen treffen. Aufrüstungskits erscheinen sinnvoll für Personen, welche zu Hause bereits ein Fahrrad benutzen und sich mit der elektrischen Unterstützung im alltäglichen Gebrauch beschäftigen möchten, ohne direkt ein größeres und schwereres E-Bike zu kaufen. Durch das geringere Gewicht kann das Aufrüstungskit in Städten punkten. Es ist sehr flexibel einsetzbar und abzustellen. Personen ohne eigenen großen Abstellbereich können hier profitieren. Auch die einfache Abnehmbarkeit beziehungsweise schnelle Umstellung auf ein herkömmliches Fahrrad kann für Personen interessant sein, welche nur auf bestimmten Strecken elektrische Unterstützung benötigen, sonst aber gerne den sportlichen Aspekt des Fahrradfahrens nutzen möchten. Zuletzt erscheint die Reichweite im alltäglichen Gebrauch ausreichend, vor allem da die Batterie überall schnell geladen werden kann. Es sollte darauf geachtet werden, dass qualitativ hochwertige und funktionierende Komponenten am Fahrrad existieren, da die elektrische Unterstützung auch eine höhere Belastung mit sich bringt. Dies gilt insbesondere für Fahrräder, die länger im Keller standen und nun mit einem Umrüstkit eine Renaissance erfahren sollen. Und abschließend bleibt natürlich das Restrisiko, dass das Kit nicht zu 100% mit dem eigenen Rad kompatibel ist. Im Zweifel fragen Sie Ihren Fahrradhändler des Vertrauens.



 

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